In der traditionellen, konventionellen Gartenarbeit wird seit unzähligen Generationen ein erbitterter, kräfteraubender und zeitraubernder Krieg gegen das sogenannte Unkraut geführt. Kaum zeigen sich im sonnigen Frühjahr die ersten grünen Blätter von Löwenzahn, Giersch, Brennnessel, Franzosenkraut oder Vogelmiere zwischen den ordentlich gezogenen Gemüsereihen, wird mit Hacken, Schoffeln, Unkrautzupfern oder im schlimmsten Fall sogar mit chemischen Totalherbiziden dagegen vorgegangen. Aus Sicht der Ökologie, der Bodenbiologie und vor allem der ganzheitlichen Permakultur ist dieser permanente Kampf gegen die Natur nicht nur ein enormer, völlig unnötiger Verschleiß der eigenen körperlichen Kräfte im Alltag, sondern eine grundlegende logistische Fehlplanung im gesamten Gartensystem. In einem nachhaltig konzipierten Naturgarten gibt es das Wort Unkraut im Grunde überhaupt nicht, da es eine rein menschliche Erfindung ist, die auf Willkür basiert. Wir sprechen stattdessen ganz sachlich von Beikräutern oder Wildkräutern, da jedes dieser Wildgewächse eine exakte biologische Aufgabe im Ökosystem erfüllt, uns als unbestechlicher und kostenloser Ratgeber für die Beschaffenheit des Bodens dient oder als extrem nährstoffreiches, gesundes Wildgemüse die tägliche Familienküche bereichern kann, ohne dass man dafür einen einzigen Cent ausgeben muss.
Die Wildkräuter sind in erster Linie wertvolle Zeigerpflanzen, die dir durch ihr reines Vorkommen ganz ohne Kosten verraten, wie es um die Nährstoffe, den pH-Wert und die physikalische Struktur deines Erdbodens bestellt ist. Man spart sich dadurch teure und aufwendige Laboranalysen aus dem Gartenfachhandel. Wächst auf einer neu angelegten Fläche oder einem Beet beispielsweise massenhaft die kleine, saftige Vogelmiere, der weiße Gänsefuß oder das Franzosenkraut? Dann weißt du ganz genau, dass hier ein wunderbarer, feuchter, gut durchlüfteter und extrem stickstoffreicher Mutterboden vorliegt, der vor biologischem Leben nur so strotzt. Auf diesem spezifischen Areal werden hungrige Kulturen wie Tomaten, Gurken, Kürbisse oder schwere Kohlarten im Sommer hervorragende Erträge abwerfen, ohne dass du viel Dünger hinzufügen musst. Zeigt sich hingegen auf einem Beet vermehrt der Ackerschachtelhalm, der kriechende Hahnenfuß, der Huflattich oder die Ackerkratzdistel? Diese Pflanzen deuten unmissverständlich auf eine starke Verdichtung im Unterboden hin, die unweigerlich zu gefährlicher Staunässe führt. Dieser Boden muss vor der Bepflanzung dringend durch das Einarbeiten von Sand, reifem Kompost und tiefwurzelnden Pflanzen mechanisch aufgebrochen werden, da feine Gemüsewurzeln sonst faulen würden. Die Wildkräuter arbeiten somit als kostenlose Bodenanalysten auf deinem Grundstück.
Darüber hinaus sind viele dieser wilden Kräuter wahre, unschätzbare Schatzkammern für die menschliche Gesundheit und übertreffen das hochgezüchtete Supermarktgemüse in puncto Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe um ein Vielfaches. Der in traditionellen Gärten oft gehasste und gefürchtete Giersch zum Beispiel enthält viermal so viel Vitamin C wie Zitronen und massenhaft wertvolles Eisen, Kalium, Magnesium und Kieselsäure. Anstatt ihn mühsam und frustriert mit der Wurzel auszugraben, was aufgrund seiner unterirdischen Ausläufer ohnehin kaum gelingt, ernten wir die jungen, hellgrünen, glänzenden Blätter im Frühjahr ganz entspannt und verarbeiten sie zu einem schmackhaften Wildkräutersalat, verfeinern damit Kräuterquark oder dünsten sie wie Spinat in der Pfanne mit etwas gutem Olivenöl an. Auch die jungen Triebe der Brennnessel oder die gelben Blüten des Löwenzahns lassen sich hervorragend in der Küche verwerten. Die Kinder lieben es, beim Sammeln im Garten aktiv zu helfen, schulen dabei ihre Sinne und lernen ganz spielerisch, dass gesunde, vollkommen schadstofffreie Nahrung direkt vor der eigenen Haustür wächst, ohne dass man dafür Plastikverpackungen, lange Transportwege oder viel Geld im Supermarkt bezahlen muss.
Wenn Wildkräuter im Gemüsebeet einmal zu stark überhandnehmen und das junge Gemüse zu ersticken drohen, werden sie in der Permakultur niemals vernichtet, verbrannt oder auf den Müll geworfen. Wir schneiden oder mähen sie einfach flach über dem Boden ab und lassen das feine Pflanzenmaterial direkt als schützende, feuchtigkeitsspeichernde Mulchschicht auf der Erde zwischen den Gemüsereihen liegen. Die Wildkräuter haben mit ihren oft tiefen Wurzeln wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente aus den untersten Bodenschichten nach oben geholt, an die normales Gemüse niemals herankommt. Beim Verrotten auf der Oberfläche geben sie diese Nährstoffe wieder direkt an die oberen Erdschichten ab und füttern gleichzeitig die nützlichen Regenwürmer. Das ist echte kaufmännische Effizienz im Alltag: Du beendest den anstrengenden, sinnlosen Krieg gegen die Natur, sparst dir unendlich viele anstrengende Arbeitsstunden auf den Knien und verwandelst vermeintliche Plagen im Handumdrehen in wertvolle Verbündete für die Fruchtbarkeit deines Bodens und die Gesundheit deiner Familie.
