Wer im eigenen Garten Gemüse anbaut, das biologisch zu der Gruppe der Starkzehrer zählt, steht im Laufe der Sommermonate regelmäßig vor der großen Herausforderung, den enormen Nährstoffhunger dieser Pflanzen nachhaltig und kontinuierlich zu stillen. Pflanzen wie Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbisse und alle großen Kohlarten benötigen für ihren Zellaufbau, das vegetative Blattwachstum und die Reifung schwerer Früchte ununterbrochen große Mengen an Stickstoff, Kalium, Phosphor und lebenswichtigen Spurenelementen. In der traditionellen Gartenpraxis wird in dieser Situation häufig unüberlegt zu mineralischem Kunstdünger oder chemischen Flüssigdüngern aus dem Gartencenter gegriffen. Diese industriellen Produkte liefern den Pflanzen zwar einen schnellen, künstlichen Wachstumsschub, schädigen aber langfristig das empfindliche Bodenleben, zerstören die feine Humusstruktur, waschen sich bei starkem Sommerregen blitzschnell ins Grundwasser aus und machen das Gemüse anfällig für Krankheiten und Schädlinge. In einer nachhaltigen Permakultur nutzen wir stattdessen die geballte Heilkraft der Natur und stellen uns hochkonzentrierte Pflanzenjauchen selbst her. Das ist flüssiges Gold für deine Beete, das deine Haushaltskasse keinen einzigen Cent kostet, die Umwelt schützt und absolut verlässlich arbeitet.
Die absolute Königin unter den pflanzlichen Naturdüngern ist die klassische Brennnesseljauche. Brennnesseln wachsen an fast jedem Wegesrand, auf Brachflächen und in den ungenutzten Ecken des eigenen Grundstücks vollkommen umsonst und im Überfluss. Sie sind von Natur aus extrem reich an Stickstoff, Kalium, Eisen, Magnesium und wichtigen Kieselsäuren, welche die Gemüsepflanzen für ein gesundes Blattgrün und eine üppige Fruchtbildung dringend benötigen. Für die Herstellung nutzen wir eine große Kunststofftonne oder ein stabiles Holzfass, das strategisch an einem schattigen Platz etwas abseits der Terrasse aufgestellt wird, da der einsetzende Gärprozess im Laufe der Tage einen sehr intensiven, herben Geruch entwickelt. Die Tonne wird locker mit frisch geernteten, grob zerkleinerten Brennnesseln gefüllt und anschließend bis kurz unter den Rand mit kalkfreiem, weichem Regenwasser aus der Regentonne aufgefüllt. Ein einfacher Deckel oder ein feines Netz schützt das offene System vor hereinfallenden Tieren oder Laub, lässt aber dennoch genügend Luft für den Prozess durchströmen.
Nun beginnt im Inneren der Tonne ein faszinierender, biologischer Fermentationsprozess, der maßgeblich durch die Wärme der Umgebungstemperatur angetrieben wird. Um ausreichend Sauerstoff in das System zu leiten und die Verrottung der Pflanzenteile zu beschleunigen, wird die Flüssigkeit einmal täglich mit einem stabilen Holzstab kräftig umgerührt. Schon nach wenigen Tagen fängt die Mischung an zu schäumen, und es steigen kleine Luftbläschen an die Oberfläche. Das ist das sichere Zeichen dafür, dass die nützlichen Bakterien ihre Arbeit aufgenommen haben und die Pflanzenzellen der Brennnessel vollständig aufbrechen, um die wertvollen Nährstoffe im Wasser zu lösen. Sobald sich die Jauche dunkel verfärbt hat und nach etwa zehn bis vierzehn Tagen keine Luftblasen mehr aufsteigen, ist der Gärprozess abgeschlossen und der Dünger vollkommen einsatzbereit. Um den strengen Geruch während der Gärung ganz natürlich und effektiv zu binden, hilft eine Handvoll Urgesteinsmehl, feines Bentonit oder trockene Holzasche aus dem Ofen, die einfach auf die Oberfläche gestreut wird. Die Geruchsstoffe werden dadurch gebunden, ohne den biologischen Nutzen der Jauche zu mindern.
Für die Anwendung im Gemüsebeet wird die konzentrierte Jauche niemals pur gegossen, da die scharfen Nährstoffe und Säuren die empfindlichen Haarwurzeln der Pflanzen augenblicklich verbrennen würden. Das unumstößliche Mischungsverhältnis im Alltag beträgt eins zu zehn – das bedeutet, ein Liter reine Jauche wird mit zehn Litern klarem Regenwasser direkt in der Gießkanne verdünnt. Diese goldene Mischung wird während der Hauptwachstumszeit alle zwei Wochen direkt auf den Wurzelbereich der Stark- und Mittelzehrer gegossen. Idealerweise erfolgt das Gießen an einem bewölkten Tag oder am frühen Abend, damit der feuchte Boden die Nährstoffe sofort optimal aufnehmen kann, ohne dass sie in der brennenden Sonne verdunsten. Neben der Brennnessel lässt sich auch der kellergebundene Beinwell (Comfrey) hervorragend zu einer kaliumreichen Jauche verarbeiten, die besonders Tomaten und Kartoffeln zu einer riesigen Ernte verhilft.
Neben der reinen Düngung über das Wurzelwerk erfüllen Pflanzenjauchen und kalte Kräuterauszüge eine geniale Funktion im oberirdischen, natürlichen Pflanzenschutz. Wenn man die Blätter der Gemüsepflanzen mit einer stark verdünnten, frisch angesetzten Brennnesselbrühe oder einem Auszug aus Ackerschachtelhalm besprüht, festigt die darin enthaltene Kieselsäure die Zellwände der Blattoberfläche so stark, dass saugende Insekten wie Blattläuse, Thripse oder Spinnmilben absolut keine Chance mehr haben, in das Gewebe einzudringen. Auch die Sporen von Pilzkrankheiten wie dem Mehltau finden auf der gestärkten, kieselsäurereichen Blatthaut keinen Halt mehr und trocknen ungenutzt ab. Die professionelle Herstellung und Anwendung von Pflanzenjauchen ist somit der effizienteste Weg, um mit den Ressourcen des eigenen Grundstücks ein autarkes, hochproduktives Düngersystem aufzubauen, das deine kaufmännischen Kräfte schont, die Pflanzengesundheit stärkt und eine reiche, vollkommen giftfreie Ernte für deine Familie garantiert.
