Das Anlegen und Gestalten eines eigenen Gartens bietet Familien eine unbezahlbare, sichere und tiefgründige Oase der Erfahrung, die in unserer modernen, stark technisierten und von Bildschirmen geprägten Lebenswelt immer seltener und wertvoller wird. Viele Eltern begehen jedoch bei der anfänglichen Planung ihres Grundstücks den folgenschweren Fehler, dass sie den gesamten Außenbereich ausschließlich nach den ästhetischen, praktischen oder kaufmännischen Bedürfnissen der Erwachsenen ausrichten. Da gibt es perfekt englisch gemähte Rasenflächen, sterile Zierbeete, empfindliche Rabatten und geometrisch angeordnete Nutzzonen, die von den Kindern am besten überhaupt nicht betreten, bespielt oder berührt werden sollen. Kinder verlieren in einer solch starren, reglementierten Umgebung extrem schnell das natürliche Interesse am Außenbereich oder empfinden den Garten im schlimmsten Fall sogar als eine lästige Einschränkung ihres natürlichen Entdeckungs- und Spieldrangs. In einem naturnah gestalteten Hausgarten nach den Grundprinzipien der Permakultur binden wir die jüngsten Familienmitglieder von Anfang an als vollwertige und aktive Partner in das gesamte System ein. Durch das bewusste, gemeinsame Schaffen eines eigenen, kleinen Kinder-Gartenbereichs lernen die Kinder ganz spielerisch und ohne jeglichen Leistungsdruck, Verantwortung für lebende Organismen zu übernehmen, schulen ihre sensorischen Fähigkeiten und begreifen die fundamentalen Kreisläufe der Natur aus eigener, praktischer Erfahrung.
Der ideale Bereich für Kinder im Garten sollte strategisch klug platziert sein: Er muss absolut sicher vor Gefahrenquellen sein, gut einsehbar vom Küchenfenster oder der Terrasse aus liegen und vor allem eine robuste, fehlertolerante Struktur aufweisen. Es nützt überhaupt nichts, den Kindern zu Beginn hochsensible, pflegeintensive oder langsame Gemüsesorten zuzumuten, die viel gärtnerisches Geschick und monatelange Geduld erfordern, bis sich der erste Erfolg zeigt. Das würde die Aufmerksamkeitsspanne eines Kindes komplett überfordern und zu schnellem Frust führen. Das Kind bekommt stattdessen ein eigenes, kleines No-Dig-Beet oder eine flache Kiste mit Pflanzenerde, auf der Gemüsesorten angebaut werden, die extrem schnell keimen, robust gegen Pflegefehler sind und direkt vom Strauch in den Mund wandern können. Die absoluten Favoriten für das erste eigene Kinderbeet sind Radieschen und die süßen Zuckererbsen. Die Samen dieser beiden Nutzpflanzen sind haptisch so groß und griffig, dass auch kleine, ungeübte Kinderhände sie wunderbar greifen, ertasten und eigenständig in die vorbereiteten Saatrillen stecken können. Da Radieschen oft schon nach drei bis vier Tagen die ersten grünen Keimblätter an der Oberfläche zeigen und bereits nach knapp vier Wochen vollständig geerntet werden können, bleibt die Motivation und die Neugier der kleinen Gärtner permanent hoch. Zuckererbsen wiederum faszinieren Kinder durch ihre feinen Rankorgane und die wunderschönen weißen Blüten, aus denen sich die süßen Schoten entwickeln, die den gesamten Sommer über direkt im Vorbeigehen gepflückt und komplett mit der Schale vernascht werden können. Dies schult den Geschmackssinn für echte, unverfälschte Lebensmittel und zeigt den Kindern den direkten, logischen Zusammenhang zwischen ihrer Pflege und der Ernte auf dem Tisch.
Ein weiteres echtes und unvergessliches Highlight im kindgerechten Permakultur-Garten ist der gemeinsame Bau eines lebendigen Weidentipis oder das Anlegen einer verschlungenen Beeren-Naschmeile. Ein Weidentipi wird im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr aus frischen, biegsamen Weidenruten kreisförmig direkt in den Erdboden gesteckt, in der Mitte mit einer stabilen Naturkordel zusammengebunden und im oberen Bereich verflochten. Sobald der Frühling einzieht, treiben diese Weidenruten ganz von alleine aus, bilden ein dichtes, grünes und schattiges Blätterdach und verwandeln sich in ein lebendiges, natürliches Spielhaus, das den Kindern als geheimnisvoller Rückzugsort dient. Rund um dieses Tipi pflanzen wir eine dornenlose Naschmeile aus robusten Himbeeren, Monatserdbeeren, Walderdbeeren und roten Johannisbeeren. Die Kinder können sich so während ihres täglichen Spiels ununterbrochen und völlig autark mit frischen, gesunden Vitaminen versorgen, ohne dass die Mutter im Haus ständig Zwischenmahlzeiten vorbereiten oder Plastikmüll produzieren muss. Um das Entdecken der Tierwelt im Garten noch spannender zu gestalten, richten wir in der Nähe eine kleine Wildecke ein. Ein paar alte, morsche Baumstämme, dicke Totholzäste, Laubberge und große Natursteine reichen völlig aus, um ein Paradies für Nützlinge zu schaffen. Unter diesen Materialien sammeln sich innerhalb kürzester Zeit unzählige Asseln, Laufkäfer, Erdkröten und nützliche Regenwürmer. Ausgestattet mit einer einfachen Becherlupe und einem Bestimmungsbuch können die Kinder hier stundenlang forschen, die Tiere beobachten und hautnah miterleben, wie wichtig diese kleinen Helfer für den Abbau von organischem Material und die Gesundheit des Bodens sind.
Durch dieses bewusste, spielerische Einbinden in die tägliche Gartenpraxis entwickeln Kinder ganz nebenbei und vollkommen instinktiv ein tiefes ökologisches Bewusstsein, das sie ihr gesamtes Leben lang prägen wird. Sie begreifen aus eigener Anschauung, dass eine Pflanze kein lebloses Produkt aus dem Supermarktregal ist, sondern ein lebendiges Wesen, das sauberes Wasser, die Wärme der Sonne und einen gesunden, lebendigen Erdboden braucht, um zu gedeihen. Sie lernen, dass Insekten wie Wildbienen, Hummeln oder Marienkäfer unersetzliche Verbündete beim Bestäuben der Blüten und bei der Schädlingsbekämpfung sind, vor denen man keine Angst haben muss, sondern die man aktiv durch das Bauen von kleinen Insektenhotels schützen sollte. Diese praktischen Erfahrungen stärken das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit der Kinder ungemein, da sie sehen, dass sie durch ihr eigenes, verantwortungsvolles Handeln etwas Reales und Sichtbares bewirken können. Die gemeinsame Gartenarbeit verliert dadurch jeglichen Charakter einer lästigen Pflichtaufgabe und verwandelt sich in eine wertvolle, entspannte und harmonische Familienzeit an der frischen Luft. Die Kinder können ihren natürlichen Bewegungsdrang vollkommen ausleben, während die Eltern die absolute kaufmännische und mentale Gewissheit haben, dass ihre Kleinen in einer maximal gesunden, anregenden und absolut schadstoff- und giftfreien Umgebung aufwachsen, die Geist und Körper gleichermaßen stärkt.
