Das systematische Wassermanagement auf unebenem Gelände, an Hanglagen oder auf Grundstücken mit einem spürbaren Gefälle gehört zu den anspruchsvollsten und zugleich lohnendsten Aufgaben innerhalb der Permakultur-Gartenplanung. In der konventionellen Landwirtschaft und im traditionellen Gartenbau wird topografischen Unebenheiten häufig mit einer zerstörerischen Ignoranz begegnet. Fällt starker Niederschlag auf ein geneigtes Grundstück, das flach umgegraben oder in Falllinie bepflanzt wurde, entsteht innerhalb kürzester Zeit ein massiver physikalischer und ökonomischer Schaden. Das kostbare Regenwasser kann auf der geneigten Oberfläche nicht schnell genug versickern, sondern schießt ungenutzt als oberflächlicher Abfluss den Hang hinab. Dabei entwickelt das Wasser eine enorme kinetische Energie, reißt die fruchtbarste, mühsam aufgebaute Humusschicht unbarmherzig mit sich fort und hinterlässt tiefe Erosionsrinnen im Erdboden. Im Hochsommer hingegen trocknen diese Hanglagen extrem schnell aus, da das Wasser fehlt und die Sonne den Boden ungehindert ausbrennt. Der Gärtner gerät in einen kräftezehrenden Kreislauf aus permanentem Gießen und teuren Reparaturarbeiten am Hang. Ein Sickergraben, in der internationalen Fachwelt starr als Swale bezeichnet, löst all diese Probleme auf einen Schlag. Er verwandelt die zerstörerische Kraft des abfließenden Wassers in eine unerschöpfliche, vollkommen kostenlose unterirdische Bewässerungsquelle für deine Dauerkulturen und Gemüsebeete, ohne dass du jemals eine elektrische Pumpe installieren musst.
Ein Sickergraben ist im Grunde ein horizontaler, exakt entlang der Höhenlinie (Konturlinie) verlaufender Graben mit einem flachen Boden, dem direkt auf der Hangabwärtsseite ein stabiler Erddamm vorgelagert ist. Um die Funktionsweise dieses Systems vollständig zu verstehen, muss man sich von der Vorstellung eines normalen Entwässerungsgrabens lösen. Ein Entwässerungsgraben hat die logistische Aufgabe, Wasser so schnell wie möglich von einer Fläche abzuleiten. Ein Swale hingegen hat das exakte Gegenteil zum Ziel: Er soll das Wasser stoppen, es flächig auffangen, beruhigen, über die gesamte Länge des Grabens verteilen und ganz langsam, kontrolliert und porentief im Erdboden versickern lassen. Wenn im Sommer ein plötzlicher, heftiger Gewitterregen auf das Hanggrundstück niedergeht, schießt das Oberflächenwasser den Hang hinab und trifft pfeilgerade auf den quer zum Gefälle liegenden Sickergraben. Das Wasser verliert sofort seine zerstörerische Geschwindigkeit, sammelt sich im Graben und füllt diesen wie eine längliche Badewanne auf. Das unumstößliche physikalische Gesetz der horizontalen Ausrichtung sorgt dafür, dass sich das Wasser absolut gleichmäßig über die gesamte Länge des Grabens verteilt, anstatt an einer Stelle unkontrolliert überzulaufen.
Anstatt das Wasser nun abzuleiten, verbleibt es im Graben und sickert im Laufe der folgenden vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden ganz langsam und vertikal in die tieferen Bodenschichten ein. Unter dem Sickergraben bildet sich durch diese kontinuierliche Infiltration eine riesige, unterirdische Feuchtigkeitslinse aus, die sich durch die Schwerkraft ganz langsam im Schneckentempo im Inneren des Hanges nach unten bewegt. Diese unterirdische Wasserblase funktioniert wie ein gigantischer, unsichtbarer Schwamm, der Millionen Liter Wasser vollkommen kostenlos über Wochen und Monate hinweg im Boden speichert, ohne dass auch nur ein einziger Tropfen durch die brennende Sommersonne an der Oberfläche verdunsten kann. Die Wurzeln von Obstbäumen, Beerensträuchern und mehrjährigen Kulturen, die wir strategisch klug direkt auf den hangabwärts gelegenen Erddamm pflanzen, finden in diesem tiefen Reservoir das gesamte Jahr über optimale Feuchtigkeitsbedingungen vor. Sie müssen selbst in extremen Hitzeperioden fast überhaupt nicht zusätzlich gegossen werden, da sie sich autark aus der unterirdischen Feuchtigkeitslinse bedienen, was deine Haushaltskräfte im Familienalltag enorm schont und die Wasserrechnung massiv saniert.
Der fachgerechte und präzise Bau eines solchen Swales erfordert im Vorfeld ein hohes Maß an mathematischer Genauigkeit, lässt sich aber mit einfachsten Werkzeugen im Schongang der Gartenarbeit realisieren. Das wichtigste Messwerkzeug für das fehlerfreie Aufspüren der exakten Höhenlinie ist eine einfache, selbstgebaute A-Rahmen-Wasserwaage (A-Frame), die aus drei langen Holzlatten und einem einfachen Lot oder einer herkömmlichen Libellen-Wasserwaage besteht. Mit diesem Gerät wandert man Schritt für Schritt den Hang ab und markiert alle Punkte, die sich auf dem absolut identischen Höhenniveau befinden, starr mit kleinen Holzpflöcken. Verbindet man diese Punkte miteinander, erhält man den exakten, geschwungenen Verlauf des zukünftigen Grabens. Entlang dieser markierten Linie wird nun mit dem Spaten ein Graben ausgehoben, der je nach den örtlichen Gegebenheiten und der Neigung des Hanges eine Breite von fünfzig bis achtzig Zentimetern und eine Tiefe von dreißig bis fünfzig Zentimetern aufweist. Der flache Boden des Grabens muss absolut waagerecht austariert sein, damit das Wasser später nicht an einer Seite zusammenläuft.
Die beim Graben ausgehobene, fruchtbare Erde wird nicht weggeschafft, sondern starr direkt auf der hangabwärts gelegenen Seite des Grabens zu einem stabilen, breiten Erddamm, dem sogenannten Swale-Berm, aufgeschüttet. Um die Struktur des Grabens dauerhaft vor dem Einsturz oder dem Verschlämmen durch feine Erdepartikel zu schützen, wird der Boden des Sickergrabens flächendeckend mit grobem Kies, reinem Flusssand, Holzhackschnitzeln oder trockenem Laub aufgefüllt. Diese organischen oder mineralischen Füllstoffe stabilisieren die Grabenwände, verhindern Unkrautwuchs im Grabenbett und sorgen dafür, dass man den Swale im Familienalltag problemlos begehen kann, um die angrenzenden Pflanzen zu pflegen. Um für den absoluten Ernstfall eines jahrhundertelangen Extremregens gewappnet zu sein, wird an einer strategischen Stelle des Grabens ein exakt definierter, flacher Überlauf (Spillway) eingebaut, der mit schweren Natursteinen lückenlos ausgekleidet ist. Steht das Wasser im Graben bis zur Oberkante, fließt der Überschuss kontrolliert und ohne Schäden über diese steinerne Rampe ab und wird idealerweise direkt in einen tiefer gelegenen zweiten Sickergraben oder den Gartenteich geleitet, wodurch das System zu einhundert Prozent krisensicher verriegelt wird.
Der eigentliche biologische Masterplan des Swales entfaltet sich jedoch erst durch die sofortige und dichte Bepflanzung des hangabwärts gelegenen Erddamms mit tiefwurzelnden Kulturen. Die frisch aufgeschüttete Erde des Damms ist locker und nährstoffreich, neigt aber ohne Pflanzenwurzeln bei starkem Wind oder Regen zur sofortigen Erosion. Wir bepflanzen den Damm daher unverzüglich mit einer hochproduktiven Mischung aus mehrjährigen Dauerkulturen wie robusten Obstbäumen, Beerensträuchern, Haselnusssträuchern und stickstoffsammelnden Pionierpflanzen wie dem Beinwell oder der Lupine. Die kräftigen Wurzeln dieser Gewächse dringen tief in den Damm und die darunter liegende Feuchtigkeitslinse ein, verweben sich miteinander und verankern das Erdreich im Laufe der Jahre unknackbar im Untergrund. Das System reinigt den Garten von überschüssigem Oberflächenwasser, schützt dein Grundstück porentief vor verheerenden Erdrutschen, spart dir im Sommer unendlich viele Stunden mühsamer Bewässerungsarbeit und garantiert dir und deiner Familie eine krisensichere, unerschöpfliche Quelle an frischen, vitaminreichen Lebensmitteln mitten im Schongang der Natur.
