Das systematische Wassermanagement und der bewusste Umgang mit den vorhandenen Ressourcen gehören zu den wichtigsten Säulen einer krisensicheren und kaufmännisch optimierten Selbstversorgung im eigenen Garten. Während in vielen mitteleuropäischen Haushalten die Bewässerung von Nutzpflanzen immer noch gedankenlos mit wertvollem, teurem und chemisch aufbereitetem Trinkwasser aus der kommunalen Leitung durchgeführt wird, bricht die Permakultur mit dieser verschwenderischen Praxis. Trinkwasser für die Gartenbewässerung zu verwenden, ist nicht nur eine erhebliche finanzielle Belastung für das Haushaltsbudget, sondern aus ökologischer Sicht eine schwere Fehlplanung. In trockenen und heißen Sommermonaten stoßen die kommunalen Wasserwerke regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen, was immer häufiger zu behördlichen Entnahmeverboten für die Gartenbewässerung führt. Wer in einer solchen Phase des Klimawandels keine autarke, unerschöpfliche Wasserquelle auf dem eigenen Grundstück installiert hat, steht schnell vor vertrockneten Beeten und dem Totalverlust seiner bisherigen Arbeit. Neben dem Sammeln von kostenlosem Regenwasser bietet die professionelle Aufbereitung und Nutzung von Grauwasser das größte und verlässlichste Potenzial, um die Wasserversorgung deiner Gemüsebeete und Dauerkulturen im laufenden Betrieb fehlerfrei und ohne zusätzliche Energiekosten zu sichern.
Um das Prinzip der Grauwasser-Nutzung erfolgreich und ohne gesundheitliche oder biologische Risiken im Familienalltag zu etablieren, muss man sich zunächst intensiv mit der Definition und der Zusammensetzung dieses spezifischen Abwassertyps beschäftigen. In der häuslichen Abwasserwirtschaft wird das gesamte anfallende Abwasser strikt in zwei Kategorien unterteilt: Schwarzwasser und Grauwasser. Als Schwarzwasser bezeichnet man das fäkalienhaltige Abwasser aus der Toilettenspülung, welches aufgrund der hohen Belastung mit Krankheitserregern, Keimen und pathogenen Bakterien unter keinen Umständen ungereinigt mit Nutzpflanzen oder dem Erdboden in Berührung kommen darf. Als Grauwasser hingegen definieren wir das fäkalienfreie, gering verschmutzte Abwasser, das im täglichen Haushalt beim Händewaschen, beim Duschen, beim Baden, bei der Nutzung der Waschmaschine und beim Abspülen in der Küche unaufhörlich anfällt. In einer normalen Familie werden pro Person und Tag im Durchschnitt etwa sechzig bis achtzig Liter dieses Grauwassers ungenutzt in die Kanalisation abgeleitet, wofür am Ende des Jahres auch noch hohe Abwassergebühren an die Kommune entrichtet werden müssen. Dieses Abwasser ist in Wahrheit ein wertvoller Rohstoff und eine kontinuierliche, vom Regen vollkommen unabhängige Zapfsäule für deinen Garten.
Die logistische Herausforderung bei der Nutzung von Grauwasser liegt in der fachgerechten, biologischen Reinigung und der Filterung des Wassers, bevor es direkt an die Wurzeln der Nutzpflanzen geleitet wird. Ungereinigtes Grauwasser enthält Spuren von Seifen, Tensiden, Hautschuppen, Haaren und Speiseresten. Würde man diese Flüssigkeit direkt starr auf die Gemüsebeete gießen, führten die organischen Fettreste innerhalb weniger Tage zu einer Verklebung der feinen Poren der Erdoberfläche. Die Sauerstoffzufuhr im Boden bräche zusammen, das Wasser könnte nicht mehr versickern, und es entstünden unangenehme Gerüche durch anaerobe Fäulnisprozesse, die das empfindliche Bodenleben schädigen. Um diesen Schaden im System fehlerfrei zu verhindern, bauen wir in der Permakultur eine vollkommen stromlose, rein biologische Pflanzenkläranlage auf dem Grundstück auf, die das Abwasser im Schongang der Natur reinigt und in klares, nährstoffreiches Bewässerungswasser verwandelt.
Das Herzstück dieses biologischen Filtersystems ist das sogenannte horizontal oder vertikal durchströmte Schilfbeet, in der Fachwelt als Retentionsbodenfilter bekannt. Für den Bau wird an einer strategisch günstigen Stelle im Garten, die im Gefälle unterhalb der häuslichen Abflussleitungen liegt, eine flache Grube ausgehoben. Diese Grube wird lückenlos mit einer extrem reißfesten, UV-stabilen Teichfolie ausgekleidet, um das ungefilterte Abwasser im Zement der Struktur absolut sicher vom umliegenden Grundwasser zu trennen. Die Folienwanne wird anschließend starr nach einem präzisen System mit verschiedenen mineralischen Filterschichten aufgefüllt, die von grob nach fein verlaufen. Die unterste Schicht besteht aus grobem Kies oder Rundkies, in dem geschlitzte Drainagerohre verlegt werden, die das gereinigte Wasser später sammeln und ableiten. Darüber folgt eine dicke Schicht aus feinerem Lavasplitt, Zeolith oder gewaschenem Sand, welcher als mechanischer Filter fungiert und die feinen Schwebstoffe und Fettreste aus dem Wasser siebt.
Den biologischen Hauptteil der Reinigungsarbeit übernehmen jedoch die Pflanzen, die wir dicht an dicht in das Filterbeet einsetzen. Hierzu eignen sich vor allem einheimische, stark zehrende Sumpf- und Repositionspflanzen wie das gemeine Schilf (Phragmites australis), der schmalblättrige Rohrkolben, die gelbe Schwertlilie und die Bachbunge. Diese Pflanzen besitzen die faszinierende evolutionäre Superkraft, über ihre hohlen Stängel und das weit verzweigte Wurzelgeflecht unaufhörlich Sauerstoff bis tief in die untersten Schichten des Filterbettes zu pumpen. Durch diese permanente Sauerstoffzufuhr bildet sich rund um die Pflanzenwurzeln ein idealer, hochaktiver Lebensraum für Milliarden von nützlichen aeroben Bakterien und Mikroorganismen. Diese Bakterien verarbeiten die im Grauwasser enthaltenen Seifenreste, Tenside, Phosphate und organischen Verbindungen im Sekundentakt und bauen sie rückstandslos in pflanzenverfügbare Nährstoffe wie Nitrat und Phosphat um. Die Pflanzen nehmen diese Nährstoffe sofort für ihr eigenes Wachstum auf, wodurch das Wasser porentief gereinigt und gefiltert wird.
Um das System im Familienalltag vollkommen sicher und komfortabel zu betreiben, müssen bei der Haushaltsführung zwei wesentliche kaufmännische und biologische Regeln starr eingehalten werden. Zum einen müssen im Haus konsequent biologisch abbaubare, chlorfreie und vegane Waschmittel, Seifen und Shampoos verwendet werden, die frei von synthetischen Duftstoffen, Silikonen und aggressiven Bleichmitteln sind. Diese Naturprodukte lassen sich von den Mikroorganismen im Schilfbeet spielend leicht abbauen, ohne das System zu belasten. Zum anderen wird das gereinigte Grauwasser am Ausgang der Pflanzenkläranlage niemals über Überkopfregner auf die Beete gesprüht. Das unumstößliche Gesetz der Permakultur besagt, dass das Wasser ausschließlich über eine oberirdische oder unterirdische Tröpfchenbewässerung direkt an die Basis der Pflanzen geleitet wird. Besonders Dauerkulturen mit einem enormen Wasser- und Nährstoffbedarf, wie Obstbäume, Beerensträucher, Nussbäume, schnell wachsende Hecken oder große Starkzehrerbeete im Rotationszyklus, profitieren ganz massiv von dieser kontinuierlichen Versorgung. Die Nutzung von Grauwasser schont deine kaufmännischen Kräfte im Homeoffice, senkt deine jährliche Wasser- und Abwasserrechnung um bis zu fünfzig Prozent und garantiert dir ein absolut krisensicheres, autarkes Wassersystem, das deine Familie vollkommen unabhängig von den Launen des Wetters macht.
