Kapitel 30: Hülsenfrüchte als Bodenverbesserer – Erbsen, Buschbohnen und Stangenbohnen

In der ganzheitlichen Planung eines Permakultur-Gartens nimmt die Familie der Hülsenfrüchte, botanisch als Fabaceae oder Leguminosen bekannt, eine absolute Sonderstellung ein. Während fast alle Gemüsesorten dem Erdboden während der Sommermonate fortlaufend Nährstoffe entziehen und die Erde auslaugen, drehen Erbsen, Buschbohnen und Stangenbohnen dieses Prinzip komplett um. Sie sind die unbestechlichen Regenerationsexperten des Gartens. Sie versorgen deine Familie nicht nur über Wochen hinweg mit wertvollen Proteinen, Ballaststoffen und gesunder Nahrung, sondern arbeiten unter der Erdoberfläche als vollkommen kostenlose Düngemittelfabriken. Wer im Familienalltag eine krisensichere Selbstversorgung aufbauen und gleichzeitig die Fruchtbarkeit des Bodens von Jahr zu Jahr steigern möchte, ohne viel Geld für externen Dünger auszugeben, findet in den Hülsenfrüchten seine wichtigsten biologischen Verbündeten. Ein dauerhafter Erfolg basiert hier auf dem Verständnis für eine ganz besondere Partnerschaft im Wurzelbereich, die richtige Kletterlogistik und die sorgfältige Erntetechnik.

Das faszinierende Geheimnis der Hülsenfrüchte liegt in einer unterirdischen Lebensgemeinschaft, einer Symbiose mit mikroskopisch kleinen Bodenbakterien, den sogenannten Knöllchenbakterien der Gattung Rhizobium. Pflanzen benötigen für ihren Zellaufbau und das Wachstum riesige Mengen an Stickstoff. Obwohl unsere Umgebungsluft zu rund 78 Prozent aus elementarem Stickstoff besteht, können normale Pflanzen diesen gasförmigen Stickstoff nicht direkt über ihre Blätter aufnehmen. Die Knöllchenbakterien hingegen besitzen diese Fähigkeit. Sie siedeln sich an den feinen Wurzeln der Erbsen und Bohnen an, woraufhin die Pflanze kleine, sichtbare Knöllchen an den Wurzelsträngen ausbildet. Die Bakterien filtern den Stickstoff aus der Luft im Boden und wandeln ihn in Ammonium um, welches der Pflanze als hochwertiger Dünger zur Verfügung steht. Im Gegenzug liefert die Pflanze den Bakterien wertvolle Kohlenhydrate, die sie durch Photosynthese gewinnt. Wenn die Hülsenfrüchte im Spätsommer abgeerntet sind, zieht man sie daher niemals unüberlegt mit den Wurzeln aus der Erde. Man schneidet die Triebe knapp über dem Boden ab und lässt das Wurzelwerk unberührt im Beet verrotten. So verbleibt der gesammelte Stickstoff als kostenloser Naturdünger im Boden und bereitet das Beet perfekt für die anspruchsvollen Starkzehrer der nächsten Saison vor.

Aufgrund dieser biologischen Unabhängigkeit gehören Hülsenfrüchte zu den klassischen Schwachzehrern und wandern im Fruchtfolgezyklus starr auf das dritte Beet, dessen Boden durch die Vorjahreskulturen bereits deutlich abgemagert ist. Eine zusätzliche Düngung mit Kompost oder stickstoffreichen Düngemitteln im Frühjahr wäre hier sogar eine schwere Fehlplanung: Sie würde die Knöllchenbakterien träge machen, sodass die Pflanzen keine Symbiose eingehen. Stattdessen investiert die Pflanze dann ihre gesamte Energie in ein wildes, unkontrolliertes Blattwachstum, während die Ausbildung von Blüten und Hülsen fast vollständig auf der Strecke bleibt. Hülsenfrüchte bevorzugen stattdessen einen lockeren, gut durchlüfteten Boden und eine gleichmäßige Feuchtigkeit. Sobald die Samen gekeimt und die Jungpflanzen etwa zehn Zentimeter hoch gewachsen sind, wird die Erde rund um die Stängel leicht angehäufelt. Dies regt die Ausbildung weiterer Seitenwurzeln an und verbessert die Standfestigkeit der Pflanzen im windigen Freiland massiv.

Die logistische Herausforderung beim Anbau von Erbsen und Stangenbohnen ist die Bereitstellung einer stabilen, zweidimensionalen Kletterhilfe, die dem starken Wuchs der Pflanzen standhält. Während Buschbohnen kompakt und niedrig wachsen und keine Unterstützung benötigen, treiben Stangenbohnen und Zuckererbsen unaufhörlich in die Höhe. Sie bilden im Laufe des Sommers lange, windende Triebe aus, die im Sekundentakt nach Halt suchen. Als Rankgerüst nutzen wir in der Permakultur einfache, kostenlose Naturmaterialien wie lange Bambusstangen, Haselnussruten oder gerade Äste vom letzten Baumschnitt. Diese Ruten werden zeltförmig paarweise in den Boden gesteckt und im oberen Bereich stabil miteinander verbunden. Der große Vorteil dieser vertikalen Kulturführung ist die enorme Platzersparnis im Garten: Auf einer minimalen Bodenfläche wächst das Gemüse pfeilgerade nach oben in die dritte Dimension, wodurch das kostbare Sonnenlicht perfekt ausgenutzt wird und der Ernteertrag pro Quadratmeter drastisch ansteigt. Zudem hängen die Hülsen dadurch frei in der Luft, bleiben absolut sauber und sind für gefräßige Nacktschnecken unerreichbar.

Die Ernte der Hülsenfrüchte erfordert Disziplin und das richtige Timing, um den Kreislauf der Fruchtbildung maximal anzuregen. Bei Zuckererbsen und Bohnen gilt das Gesetz: Je mehr du erntest, desto mehr schiebt die Pflanze nach. Die Hülsen sollten geerntet werden, solange sie knackig, zart und die inneren Samen noch klein und weich sind. Lässt man die Bohnen oder Erbsen zu lange am Strauch hängen, werden die Hülsen zäh, fädig und pergamentartig. Zudem signalisiert die Ausreifung der Samen der Pflanze, dass ihre evolutionäre Aufgabe erfüllt ist. Sie stellt die Produktion neuer Blüten sofort ein. Wenn du die Beete jedoch alle zwei bis drei Tage im Schongang durchpflückst und die reifen Hülsen vorsichtig mit zwei Fingern abknipst, ohne die Triebe abzureißen, wird die Pflanze permanent dazu angeregt, neue Blütenknospen nachzuschieben. Das sichert dir bis zum ersten Frost im Herbst eine kontinuierliche, eiweißreiche und vollkommen kostenlose Proteinquelle für die Küche deiner Familie.

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