Wer sich intensiv mit dem Anbau von eigenem Gemüse für die Familie beschäftigt, stößt unweigerlich auf zwei völlig verschiedene Welten der Herangehensweise. Auf der einen Seite steht der klassische, traditionelle Reihenanbau, wie er seit Generationen in den allermeisten Schrebergärten und Heimgärten praktiziert wird. Auf der anderen Seite steht das ganzheitliche, naturnahe Konzept der Permakultur. Um für das eigene grüne Projekt die richtige Entscheidung zu treffen, ist es absolut notwendig, beide Systeme ungeschönt, ehrlich und sachlich miteinander zu vergleichen. Jede Methode hat ihre Daseinsberechtigung, bringt jedoch völlig unterschiedliche Anforderungen an Zeit, Geld, körperliche Arbeitskraft und den letztendlichen Ernteertrag mit sich. Nur wer die Vor- und Nachteile genau kennt, kann ein System aufbauen, das langfristig zu den eigenen Lebensumständen passt und den Alltag entlastet, anstatt neuen Stress zu erzeugen.
Der traditionelle Gartenbau basiert in vielen Bereichen auf den Prinzipien der modernen Landwirtschaft. Das bedeutet, dass die Beete meistens sehr akkurat, schnurgerader und streng nach Sorten getrennt angelegt werden. Ein Beet für den Kohl, ein Beet für die Erdbeeren und ein separates Beet für die Karotten. Der größte Vorteil dieser Methode liegt in ihrer absoluten Übersichtlichkeit. Für das menschliche Auge wirkt ein solcher Garten sehr ordentlich und aufgeräumt. Die Pflege, das Jäten und die Ernte lassen sich sehr schematisch durchführen. Zudem sind die Anfangserträge im ersten Jahr oft sehr hoch. Wenn man ein Stück Rasen umgräbt, die Erde mit mineralischem Kunstdünger anreichert und junge Setzlinge pflanzt, wachsen diese durch den schnellen, künstlichen Nährstoffschub rasant. Für Menschen, die eine klare, geometrische Struktur lieben und schnelle, optische Ergebnisse sehen wollen, hat diese Methode durchaus ihre Reize.
Doch dieser schnelle Erfolg im traditionellen Anbau hat eine Kehrseite, die sich meistens schon in der zweiten Jahreshälfte oder im darauffolgenden Jahr zeigt. Das System ist extrem arbeitsintensiv und verbraucht Unmengen an kostbaren Ressourcen. Durch das alljährliche Umgraben im Frühjahr wird die natürliche Schichtung des Bodens komplett zerstört. Wertvolle Mikroorganismen, die im dunklen Unterboden leben, werden an die Oberfläche befördert und sterben durch das Sonnenlicht ab. Die Erde verliert dadurch ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern, und neigt bei Hitze zum Verkrusten. Die Folge ist, dass man im Sommer fast jeden Tag stundenlang gießen muss. Da der Boden nackt zwischen den Pflanzenreihen liegt, sprießt das Wildkraut unaufhörlich. Der Gärtner verbringt einen großen Teil seiner Freizeit mit dem Jäten. Zudem ziehen die großen Monokulturen Schädlinge magisch an. Wenn eine ganze Reihe nur aus Kohl besteht, findet der Kohlweißling ein wahres Paradies vor und vermehrt sich explosionsartig. Ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder den ständigen Kauf von teuren Schutznetzen steht man am Ende oft vor kahl gefressenen Strünken.
Hier setzt die Permakultur an und dreht das Prinzip komplett um. Der größte und unschätzbare Vorteil dieses Systems ist die enorme Einsparung von Arbeit und Zeit im laufenden Betrieb. Da wir den Boden niemals umgräbt, sondern ihn permanent durch dicke Mulchschichten abdeckt, bleibt die Erde darunter locker, feucht und voller Leben. Die Regenwürmer übernehmen das Umgraben für uns. Das Gießen reduziert sich auf ein Minimum, da die Feuchtigkeit unter dem Mulch nicht verdunsten kann. Auch das Unkrautjäten fällt fast vollständig weg, weil das Licht den Boden nicht erreicht und fliegende Samen nicht keimen können. Ein weiterer Vorteil ist die natürliche Gesundheit des Gartens. Durch das dichte Durcheinander in der Mischkultur und das gezielte Anlocken von Nützlingen regulieren sich Schädlinge von ganz alleine. Es entsteht ein stabiles Gleichgewicht, das komplett ohne teure Chemie oder Zukäufe auskommt. Die Haushaltskasse wird geschont, da Dünger und Pflanzenschutzmittel aus den Abfällen des eigenen Grundstücks hergestellt werden.
Allerdings wäre es unehrlich zu behaupten, dass die Permakultur nur Vorteile hat. Der größte Nachteil dieses Systems liegt in der Anfangsphase. Eine Permakultur erfordert im Vorfeld ein hohes Maß an Denkarbeit, Beobachtung und geduldiger Planung. Man kann nicht einfach am Samstagnachmittag in den Baumarkt fahren, ein paar Pflanzen kaufen und loslegen. Man muss das Grundstück lesen lernen, die Sonnenverläufe studieren und die Windrichtungen kennen. Das Anlegen der Systeme, wie das Bauen von Kräuterspiralen, das Schichten von Hochbeeten oder das Pflanzen von mehrjährigen Kulturen, kostet im ersten Moment spürbar mehr Kraft und manchmal auch Zeit als das einfache Umbrechen eines flachen Beetes. Zudem braucht die Natur Zeit, um sich einzupendeln. Wer im ersten Jahr sofort makellose Riesenerträge wie aus dem Supermarktprospekt erwartet, wird unter Umständen enttäuscht. Eine Permakultur reift langsam, wird dafür aber von Jahr zu Jahr produktiver, stabiler und pflegeleichter, während ein traditionelles Beet jedes Jahr dieselbe harte Arbeit von vorne erfordert.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der traditionelle Anbau liefert schnelle, optisch saubere Ergebnisse, fordert dafür aber einen lebenslangen, hohen Tribut an Zeit, Energie und Geld. Die Permakultur hingegen fordert zu Beginn Geduld und Köpfchen, schenkt dem Gärtner dafür aber nach einer kurzen Anlaufzeit ein pflegeleichtes, kostengünstiges und krisensicheres System, das sich perfekt in einen ausgefüllten Familienalltag integrieren lässt, ohne die Kräfte der Beteiligten aufzubrauchen. Es verwandelt den Garten von einer Baustelle der ewigen Arbeit in eine Oase der Ruhe und der echten, nachhaltigen Selbstversorgung für die gesamte Familie.
