Das bewusste Pflanzen und Integrieren von Obstbäumen in den eigenen Naturgarten gehört zu den langfristigsten, nachhaltigsten und zutiefst befriedigendsten Projekten für jede selbstversorgende Familie. Während die jährliche Bepflanzung von einjährigen Gemüsebeeten in jeder Saison aufs Neue Aufmerksamkeit, Zeit und Energie fordert, investiert man beim Pflanzen eines Baumes in eine lebendige Struktur, die über Jahrzehnte hinweg Bestand hat. Ein gut etablierter Obstbaum liefert im Laufe seines Lebens zentnerweise frische Früchte, schont die Haushaltskasse dauerhaft vor den hohen Preisen für Bio-Obst im Supermarkt und bildet ein stabiles mikroklimatisches Dach für das gesamte Grundstück. In der traditionellen, konventionellen Gartenpraxis wird der Obstanbau jedoch häufig sehr einseitig und fehlerhaft angegangen. Da sieht man sterile Obstbäume, die isoliert in einer sauber gemähten Rasenfläche stehen, regelmäßig mit mineralischem Kunstdünger versorgt und im Frühjahr mit chemischen Spritzmitteln gegen Krankheiten und Pilze behandelt werden müssen. Aus Sicht der ganzheitlichen Permakultur ist diese isolierte Monokultur eine schwere gärtnerische Fehlplanung. Ein Obstbaum ist in der freien Natur niemals ein isoliertes Element; er ist immer Teil eines komplexen, vernetzten Ökosystems. Erst wenn wir die biologischen Partnerschaften rund um den Baum verstehen und nutzen, schaffen wir eine hocheffiziente Obstwiese, die sich im Laufe der Jahre fast vollständig selbst reguliert und minimale Pflege erfordert.
Der erste und wichtigste Schritt bei der Planung einer kleinen, naturnahen Obstwiese ist die sorgfältige und unbestechliche Auswahl der passenden Baumformen und vor allem der richtigen, samenechten und historischen Obstsorten. Wer im Baumarkt gedankenlos die billigsten, hochgezüchteten Hochleistungssorten aus der modernen Erwerbsobstzucht kauft, steht im Hausgarten oft schon nach wenigen Jahren vor einem Trümmerfeld: Diese Sorten sind extrem anfällig für Krankheiten wie den gefürchteten Apfelschorf, den Obstbaunkrebs oder die Monilia-Fruchtfäule und benötigen eine kontinuierliche chemische Behandlung, um überhaupt Ertrag abzuwerfen. In der Permakultur setzen wir daher aus tiefster Überzeugung auf alte, robuste Landsorten und bewährte Regionalstämme wie den „Roten Boskoop“, den „Jakob Lebel“, die „Gute Luise“ oder die „Große Schwarze Knorpelkirsche“. Diese historischen Sorten haben sich über Jahrhunderte hinweg ganz natürlich an die spezifischen klimatischen Bedingungen und die Bodenverhältnisse unserer Region angepasst. Sie besitzen eine enorme angeborene Widerstandskraft gegen Krankheiten, verfügen über ein tiefgehendes, stabiles Wurzelsystem und liefern Früchte von herausragender geschmacklicher und gesundheitlicher Güte, die sich zudem hervorragend für die winterliche Lagerung im kellerlosen Erdbunker eignen.
Neben der Sorte bestimmt die Wahl der passenden Wurzelunterlage maßgeblich über die zukünftige Größe, das Alter und den Pflegeaufwand des Baumes. Obstbäume werden in der Baumschule fast immer veredelt, was bedeutet, dass die gewünschte Edelsorte auf eine fremde Wurzel, die sogenannte Unterlage, aufgesetzt wird. Für den normalen Hausgarten und eine pflegeleichte Bewirtschaftung im Familienalltag wählen wir in der Regel Halbstämme oder Buschbäume, die auf einer mittelstark wachsenden Unterlage veredelt wurden. Diese Bäume erreichen eine überschaubare Endhöhe von etwa drei bis fünf Metern, lassen sich wunderbar ohne gefährliche Kletteraktionen im aufrechten Stehen pflegen und beernten und tragen oft schon ab dem dritten oder vierten Standjahr die ersten Früchte für die Kinder. Ein mächtiger Hochstamm hingegen benötigt viel Platz, wird bis zu acht Meter hoch und ist für kleinere Grundstücke im städtischen Raum meistens ungeeignet, bietet dafür aber den absoluten Höchstertrag und kann über ein ganzes Jahrhundert hinweg Generationen von Familien zuverlässig ernähren.
Die logistische Königsdisziplin beim Pflanzen eines neuen Obstbaumes ist das fachgerechte Ausheben und Vorbereiten des Pflanzloches im Schongang der Natur. Der optimale Zeitraum für das Pflanzen von wurzelnacktem Obstgehölz liegt starr im Spätherbst, in den Monaten Oktober und November, sobald die Bäume ihr Laub vollständig abgeworfen haben und in die winterliche Vegetationsruhe gegangen sind. Der herbstliche Erdboden ist durch die Niederschläge tiefgründig feucht und speichert die Sommerwärme noch über viele Wochen hinweg, was den feinen Haarwurzeln ideale Bedingungen bietet, um noch vor dem ersten strengen Winterfrost anzuwurzeln. Das Pflanzloch wird mit dem Spaten mindestens doppelt so breit und doppelt so tief ausgehoben, wie der Wurzelballen des Baumes groß ist, um den Boden im weiten Umkreis gründlich aufzulockern. Die harte Sohle am Grund des Loches wird mit der Grabegabel tiefgründig aufgebrochen, um Staunässe im Wurzelbereich fehlerfrei zu verhindern, da Obstbaumwurzeln in stehendem Wasser augenblicklich verfaulen würden.
Bevor der Baum nun endgültig in das Loch eingesetzt wird, muss ein unknackbarer mechanischer Schutzschild gegen unterirdische Schädlinge eingebaut werden. Ein junger, frisch gepflanzter Obstbaum mit seinen süßen, saftigen Wurzeln wirkt auf Wühlmäuse im kalten Winter wie ein Magnet. Wer hier schlampig arbeitet oder am falschen Ende spart, erlebt im nächsten Frühjahr eine herbe Enttäuschung: Die Nagetiere fressen die gesamte Wurzelbasis komplett kahl, sodass der Baum beim ersten Frühlingswind einfach tot umkippt. Um diesen logistischen Totalschaden im System fehlerfrei zu verhindern, wird die gesamte Pflanzgrube lückenlos mit einem großzügigen, flexiblen Korb aus engmaschigem, verzinktem Wühlmausgitter ausgekleidet. Der Baum wird in diesen schützenden Drahtkorb hineingesetzt, das Loch wird mit einer feinen Mischung aus dem Erdaushub und reifem, nährstoffreichem Feinkompost aufgefüllt, und die Erde wird vorsichtig mit den Füßen festgetreten, um einen lückenlosen Bodenschluss herzustellen. Ein stabiler Holzpfahl, der auf der windzugewandten Westseite in den Boden geschlagen und mit einer elastischen Kokoskordel in Form einer Acht am Stamm fixiert wird, gibt dem jungen Baum in den ersten zwei Jahren den nötigen Halt gegen Sturmböen.
Der eigentliche Masterplan der Permakultur entfaltet sich jedoch erst nach dem Pflanzen, indem wir den nackten Boden rund um den Stamm in eine hochproduktive, lebendige Lebensgemeinschaft verwandeln: die sogenannte Obstbaum-Gilde. In einem naturnahen System wird die Baumscheibe niemals nackt gelassen oder mit Rasen bewachsen, da normales Gras ein extrem flaches, dichtes Wurzelnetz bildet, das dem jungen Baum im Sommer alle Nährstoffe und das kostbare Regenwasser streitig macht. Stattdessen pflanzen wir einen Kreis aus spezifischen Partnerpflanzen direkt unter die Baumkrone, die dem Baum umsonst als biologische Düngemittelfabrik, Schädlingsabwehr und Bodenlockerer dienen. Wir setzen stickstoffsammelnde Leguminosen wie den Weißklee oder die Lupine ein, die den Boden über ihre Knöllchenbakterien kontinuierlich mit Nahrung versorgen. Dazu gesellt sich der kellergewurzelte Beinwell (Comfrey), dessen riesige Blätter mehrmals im Sommer abgemäht und als dicke, kaliumreiche Mulchschicht direkt unter dem Baum liegen gelassen werden. Stark duftende Gewächse wie der Knoblauch, die Kapuzinerkresse oder der echte Meerrettich schützen den Stamm und den Wurzelraum vor gefährlichen Wühlmäusen, halten die Blutlaus fern und beugen dem gefürchteten Apfelschorf auf ganz natürliche Weise vor. Die Anlage einer solchen Obstwiese schont deine kaufmännischen Kräfte im Familienalltag, saniert die Haushaltskasse dauerhaft und schenkt dir ein stabiles, pflegeleichtes System, das über Generationen hinweg gesunde Nahrung im Einklang mit den Gesetzen der Natur produziert.
